Burg Waldeck (Schwarzwald)

Die Burgruine Waldeck ist die Ruine einer Spornburg auf einem 410 m ü. NN hohen Felssporn über dem Nagoldtal und dem kleinen Ort Kohlerstal bei der Stadt Calw im Landkreis Calw in Baden-Württemberg.

Wann diese Burg errichtet wurde ist unklar. 1140 wird erstmals ein Ortwin von Waldeck erwähnt. Die ältesten erhaltenen Baureste datieren nicht vor 1200. Die Herren von Waldeck waren „grafenähnlichen“ Standes und hatten sich im Laufe des 13. Jahrhunderts ein umfangreicheres Territorium erwirtschaftet. Mehrere Gütervergaben an Klöster zeugen von ihrer Prosperität. Diese dürfte nicht zuletzt durch die Ausbeutung der nahegelegenen Silberminen von Neubulach begünstigt worden sein. Jedoch scheint der Einfluss der Waldecker in der Region zu stark geworden zu sein, so dass sich ihre Lehnsherren, die Grafen von Hohenberg, veranlasst sahen, mehrere Waldecker Burgen zweimal, 1279 und 1284, zu belagern. Die zweite Belagerung erfolgte mit Unterstützung des habsburgischen Königs Rudolfs von Habsburg und endete mit der Zerstörung der Burgen. Nach der Zerstörung wurde Albrecht von Hohenberg Besitzer und baute die Burg wieder auf. Er setzte derer von Waldeck als Vögte ein, die sich heimlich mit den Herren von Baden zusammenschlossen und 1287 derer von Hohenberg besiegten. Durch ihren Sieg wurden sie edelfrei. Mit dem Aussterben der Linien derer von Waldeck 1417 und 1553 ging die Burg an Württemberg. Mehrere Quellen berichten übereinstimmend von „quinque castra in uno monte“. Diese Angabe wurde lange bezweifelt. Jedoch haben Untersuchungen im Vorfeld der Ruine Waldeck ergeben, dass auf dem Bergsporn westlich von ihr drei weitere Burgen existierten. Durch Buckelquadermauerwerksreste weisen sich alle drei als Bauwerke des 13. Jahrhunderts aus. Demnach ist die Quellenüberlieferung von mehreren Burgen auf einem Berg korrekt. Die fehlende fünfte Burg könnte in einem Turm gesehen werden, der separat auf einem Felsklotz stand, welcher der westlichen Burg vorgelagert war. Nach der Zerstörung müssen mehrere Burgen wieder aufgebaut worden sein. Diese wurden jedoch spätestens im 15. Jahrhundert wieder aufgegeben und nur die heute bekannte, gut erhaltene Ruine Waldeck bis ins 17. Jahrhundert weiter ausgebaut und bewohnt. Vermutlich wurde die Anlage 1688 im pfälzischen Erbfolgekrieg durch französische Truppen endgültig zerstört.
Von den Burgen auf dem Sporn westlich der Ruine Waldeck sind nur noch Grundmauerreste, teilweise in Buckelquaderwerk, erhalten. Die Ruine selbst zeigt auf dem zentralen Felsen Reste eines kompakten Baus, bestehend aus einem Wohngebäude und dem Bergfried. Sie dürften nach der Zerstörung von 1284 entstanden sein. Umfangreiche Außenwerke sind mehreren Bauphasen des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit zuzuordnen.

Bund der Maisstrohgesichter

Die Maisstrohgesichter sind ein Maskenbund der Irokesen-Indianer.
Zusammen mit dem Bund der Falschgesichter gehören sie zu den berühmtesten Bünden. Sie haben ihre eigene Tabak-Beschwörung, ein eigenes Medizinlied und ihre eigenen Tänze. Und sie haben die Macht zu heilen. Die Strohmasken (husk-faces) werden auch „buschige Köpfe“ (bushy-heads) genannt. Diese repräsentieren andere, an die Erde gebundene, übernatürliche Wesen, die mit der Menschheit einen Pakt geschlossen haben. Sie zeigten den Menschen die Kunst der Jagd und der Landwirtschaft. Die Führer dieser lose organisierten Gesellschaft agierten als Wasserärzte. Sie bemühten sich, Kranke zu heilen, indem sie diese mit Wasser besprengten. Zwei Maisstrohgesichter betätigen sich bei den Midwinter-Langhaus-Zeremonien für die Falschgesichter als Türhüter.
Die Strohmasken können etwas bösartig als Türmatten beschrieben werden. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Masken Augen- und Mundlöcher haben. Und es werden noch Haare befestigt.
Der Legende nach sind die Strohgesichter ein Bauernvolk, das in einer Schlucht auf der anderen Seite der Erde lebt. Einmal jährlich besuchen sie die Langhäuser der Seneca für zwei Nächte. Dies geschieht während der Midwinter-Zeremonie. Wenn sie kommen, stoppen sie die Tänze und kidnappen einen Häuptling als Dolmetscher. Als Boten der drei Schwestern, der Bohnen, des Maises und der Kürbisse, besitzen sie eine große Macht.

Altstoffsammelzentrum

Ein Altstoffsammelzentrum (ASZ) ist ein Wertstoffhof in Österreich zum getrennten Sammeln von Altstoffen. In Wien werden die ASZ als Mistplatz bezeichnet. Die Entsorgung ist bis auf Ausnahmen entgeltfrei.

Das Ziel eines ASZ ist, die Abfallarten möglichst sortenrein zu sammeln, um eine hohe Wiederverwertung zu erreichen.
Gesammelt werden 70 verschiedene Abfallarten, die in 5 Gruppen eingeteilt sind:
Kostenpflichtig für Privatpersonen sind u.a. Reifen und medizinische Abfälle. Für Gewerbetreibende ist zusätzlich die Entsorgung von Problemstoffen und Kunststoffen kostenpflichtig.
In Niederösterreich bestehen in allen Gemeinden Altstoffsammelstellen. Diese ist aber nicht überall gleich organisiert. So wird in manchen Gemeinden sowohl der Kunststoff teilweise periodisch von den Häusern abgeholt, in anderen werden diese Abfallstoffe über sogenannte Wertstoffinseln gesammelt. Ebenso wird Glas und Verpackungsmetalle, wie Dosen, gesammelt.
Im Bundesland stehen 435 Altstoffsammelzentren zur Verfügung. 2007 wurden 245.770 Tonnen Altstoffe gesammelt. Organisiert werden die Zentren über 22 regionale Abfallverbände, an denen 555 Gemeinden beteiligt sind. Die Städte St. Pölten, Krems und Klosterneuburg haben jeweils eine eigene Organisation. Alle sind ihrerseits in dem 1993 gegründeten NÖ Abfallwirtschaftsverein Mitglieder.
In Oberösterreich besteht seit den 1990er Jahren ein dichtes Netz aus heute (2008) 180 Zentren. Alle Bezirke sind an der O.Ö. Landes-Abfallverwertungsunternehmen AG (OÖ LAVU AG) beteiligt, die die Planung, Betriebsführung und das Personal der ASZ sowie die Logistik und Verwertung der Abfallstoffe organisiert. Es wird ein Verwertungsgrad der Altstoffe von bis zu 90 % erreicht.
Im Jahr 2007 wurden in Oberösterreich 197.000 Tonnen Abfälle gesammelt. Dies entspricht einer Steigerung von 6,3 % gegenüber 2006.
Die Abfallwirtschaft in der Steiermark ist in 17 Abfallwirtschaftsverbänden gegliedert, die rund 400 Zentren betreiben. Gemeinden ohne fixes ASZ stehen mobile Zentren zur Verfügung. Die ersten ASZ wurden 1991 gegründet.
In Wien stehen seit 1988 rund 19 Mistplätze der MA 48 zur Verfügung. Sie sind vor allem für die Entsorgung der Abfälle der Privathaushalte gedacht, nicht für die Entsorgung von gewerblichem Müll oder bei Räumung einer Wohnung.
Zusätzlich zu den oben stehenden Abfallarten werden in Wien auch Bauschutt (Mauerteile, Gips, Fliesen,…) und Sperrmüll (Möbel, Teppiche, Fenster,…) angenommen.
Als Besonderheit ist der Mistplatz beim Rinterzelt auch sonn- und feiertags geöffnet.

Synagoge Montmartre

Die Synagoge von Montmartre ist eine Synagoge im Pariser Stadtviertel Montmartre. Sie wurde 1939 bis 1940 von der Association cultuelle israélite de Paris (Israelitische Kultusgemeinde von Paris, A.C.I.P.) unter dem Architekten Germain Debré errichtet. Sie befindet sich in der Rue Saint-Isaure Nr. 13 im 18. Arrondissement. Die nächsten Métrostationen sind Jules Joffrin an der Linie 12 und Simplon an der Linie 4.

In den 1880er Jahren hatten sich viele jüdische Einwanderer um Montmartre angesiedelt. 1907 kaufte die Association cultuelle israélite de Paris ein ehemaliges Theater mit 400 Plätzen, das der Architekt Lucien Hesse zur Synagoge umbaute. Der Kauf des Gebäudes wurde durch eine Spende der Gemahlin von Edmond de Rothschild ermöglicht. Am 27 Juni 1907 wurde die Synagoge durch den Großrabbiner J. H. Dreyfuss eingeweiht. Sehr bald erwies sich das Gebäude als zu klein und veraltet. Bereits ab 1936 entwarf der Architekt Germain Debré Pläne für eine neue Synagoge. Am 9. Juli 1939, ein knappes Jahr, nach dem die Synagogen in Deutschland in der sogenannten Reichspogromnacht zum großen Teil zerstört wurden, erfolgte die Grundsteinlegung für die neue Synagoge von Montmartre. Bei den Attentaten auf Pariser Synagogen am 3. Oktober 1941 wurde die Synagoge von Montmartre durch einen Bombenanschlag schwer beschädigt.
Die Synagoge von Montmartre ist eine Betonkonstruktion. Im Gegensatz zu ihrem bescheidenen Vorgängerbau weist die Fassade der neuen Synagoge einen monumentalen Charakter auf. An den erhöhten Mitteltrakt schließen sich auf beiden Seiten zweistöckige, abgerundete und von großen Fenstern durchbrochene Seitenflügel an. Zwei Säulen, eine Anspielung auf die Säulen des Tempels Salomons, tragen den Türsturz des Portals. Im Zentrum der Fassade befindet sich eine große Fensterrose, deren Speichen den Davidstern (Magen David) bilden. Unter der Rosette sind zwei große Steinplatten in Form der Gesetzestafeln angebracht, auf denen in hebräischer Sprache die Zehn Gebote eingemeißelt sind. Über dem Eingang steht in Französisch die Inschrift: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Der Grundriss der Synagoge ist fast quadratisch. Auf drei Seiten umlaufen Emporen den Innenraum. Die Bima steht vor dem Toraschrein und nicht in der Mitte des Raumes wie in den orthodoxen Synagogen üblich. Der Toraschrein ist von einem Rahmen aus Marmor eingefasst. In seiner Mitte prangt der Davidstern mit den Gesetzestafeln. Über der Bima, die von achtarmigen Leuchtern umgeben ist, befindet sich eine kleine, von Glassteinen durchbrochene Kuppel. Die Wände sind mit hebräischen Inschriften versehen. Die Balustraden der Emporen tragen die Namen der Patriarchen, der biblischen Könige, der Propheten und − was seltener vorkommt − die Namen berühmter Frauen der Bibel. Auf den Fußbodenfließen des Vorraumes ist der Davidstern dargestellt.
Belleville | Buffault | Cadet | Chasseloup-Laubat | Copernic | Gaston-de-Caillavet | Montevideo | Montmartre | Notre-Dame-de-Nazareth | Pavée | Roquette | Saint-Lazare | Tournelles | Victoire
48.8936492.344004Koordinaten: 48° 53′ 37″ N, 2° 20′ 38″ O

Thomas W. Templeton

Thomas Weir Templeton (* 8. November 1867 in Plymouth, Luzerne County, Pennsylvania; † 5. September 1935 ebenda) war ein US-amerikanischer Politiker. Zwischen 1917 und 1919 vertrat er den Bundesstaat Pennsylvania im US-Repräsentantenhaus.
Thomas Templeton besuchte die öffentlichen Schulen seiner Heimat und das Wyoming Seminary in Kingston. Er studierte Jura und wurde im Jahr 1899 als Rechtsanwalt zugelassen, hat aber nicht in diesem Beruf praktiziert. Stattdessen arbeitete er als Florist. Zwischen 1904 und 1907 war er als Prothonotary bei der Verwaltung im Luzerne County angestellt. Politisch wurde er Mitglied der Republikanischen Partei.
Bei den Kongresswahlen des Jahres 1916 wurde Templeton im elften Wahlbezirk von Pennsylvania in das US-Repräsentantenhaus in Washington D.C. gewählt, wo er am 4. März 1917 die Nachfolge des Demokraten John J. Casey antrat, den er bei der Wahl geschlagen hatte. Da er im Jahr 1918 auf eine weitere Kandidatur verzichtete, konnte er bis zum 3. März 1919 nur eine Legislaturperiode im Kongress absolvieren. Diese war von den Ereignissen des Ersten Weltkrieges geprägt.
Nach dem Ende seiner Zeit im US-Repräsentantenhaus betätigte sich Thomas Templeton wieder als Florist. Zwischen 1920 und 1923 war er außerdem Verwaltungschef über die Liegenschaften des Pennsylvania State Capitol. Er starb am 5. September 1935 in seinem Geburtsort Plymouth.

May-Hegglin-Anomalie

Die May-Hegglin-Anomalie (MHA) ist eine sehr seltene autosomal-dominante Erbkrankheit, bei der die Blutplättchen verändert sind. Sie wird durch eine Mutation des MYH9-Gens verursacht. Die May-Heggelin-Anomalie gehört zusammen mit dem Sebastian-Syndrom, dem Fechtner-Syndrom und dem Epstein-Syndrom zur Gruppe der MYH9-assoziierten Erkrankungen. Die MHA ist von diesen ausgesprochen seltenen Erkrankungen die häufigste Form.

Die Ursache der MHA ist eine Punktmutation des MYH9-Gens, das sich beim Menschen auf Chromosom 22 Genlocus q11.2 befindet.
Das Gen kodiert für die schwere Kette eines Nicht-Muskel-Myosins Typ IIA (NMMHC-IIA). Dieses Protein wird in einigen Blutzellen, unter anderem in Monozyten und Thrombozyten, in der Hörschnecke (Cochlea) und in den Nieren exprimiert. Die Mutation bewirkt offensichtlich eine Konformationsänderung im Kopf des NMMHC-IIA-Proteins. Die Folge davon ist eine Störung der Aggregation des Proteins zu Döhle-Körperchen, was eine fehlerhafte Organisation des Zytoskeletts in den Megakaryozyten, den Vorläuferzellen der Thrombozyten bewirkt. Dies ist die Ursache für die Makrothrombozytopenie, die sich durch einen Mangel an Thrombozyten (eine sogenannte Thrombozytopenie) und übergroßen Thrombozyten mit Leukozyteneinschlüssen manifestiert. Die Größe der Thrombozyten kann dabei die von Erythrozyten sogar übertreffen.
MHA-Patienten weisen einen Mangel an Thrombozyten (Thrombozytopenie), sowie zusätzlich eine Funktionsstörung der Thrombozyten (Thrombozytopathie) auf. Die vorhandenen Thrombozyten sind erheblich größer als bei nicht betroffenen Menschen (Makrothrombozytopenie).
Im Gegensatz zum Epstein- und Fechtner-Syndrom entwickeln die Patienten keinen Hörverlust und keine Glomerulonephritis.
Die Therapie erfolgt im Wesentlichen symptomatisch. Vor Operationen ist unter Umständen eine Thrombozytentransfusion notwendig.
Aufgrund der Seltenheit der May-Hegglin-Anomalie sind keine gesicherten Daten bezüglich der Epidemiologie und der Prävalenz verfügbar. Die Prävalenz wird auf 1:500.000 geschätzt.
Die meisten Patienten haben eine normale Lebenserwartung.
Die May-Heggelin-Anomalie wurde erstmals 1909 von dem Münchner Internist Richard May (1863–1937) bei einer 24 Jahre alten Patientin beschrieben. Er fand in ihrem peripheren Blut Einschlüsse in den Leukozyten. 1945 berichtete der Schweizer Internist Robert Hegglin (1907–1969) von Riesenthrombozyten mit Thrombozytopenie und Einschlüssen in Leukozyten bei zwei Generationen einer Familie.

Hirsch (Glasmacher)

Die Familie Hirsch gehört zu den alten in ganz Mitteleuropa verbreiteten Glasmachergeschlechtern. Ähnlich wie bei anderen Familien in diesem Metier haben ihre Mitglieder die Glasindustrie in Deutschland mitgeprägt. Vor allem in Sachsen und in der Lausitz wurden im 19. Jahrhundert zahlreiche Glashütten von dieser Familie gegründet.

Die Glasmacherfamilie Hirsch ist im 17. Jahrhundert in den damals im Besitz der Familie Werner befindlichen oberpfälzischen Hütten Herzogau bei Waldmünchen (1661) und Glashütte Silberhütte (1678) urkundlich erwähnt. Ein Georg Hirsch (* 1625) war Glasmacher auf der Glashütte Herzogau. Sein Sohn Johann Georg Hirsch (1661–1759) war Glasmacher in Herzogau und Bodenmais, Sebastian Hirsch (1650–1700) Glasmacher in Grafenried bei Waldmünchen und auf der Silberhütte.
Nach dem Spanischen Erbfolgekrieg (1701–1714), in einer Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs in Bayern, verbreitete sich die Familie im benachbarten Böhmerwald vor allem dort, wo die Glasmeister Schmaus und Moosburger Hütten besaßen. Die damaligen Glashütten der Familie Schmaus waren die Kreuzhütte, Unterhütte und Fichtenbach im Bezirk Bischofteinitz, sowie die Schmausenhütte bei Markt Eisenstein. Im Besitz der Moosburger befanden sich die Eisendorfer Hütte, die Moosburger-/Walddorfer Hütte und die Johanneshütte im Bezirk Bischofteinitz. Weiters ist die Familie Hirsch im 18. Jahrhundert in Eisenstein auf den Hütten der Hafenbrädl und in Neuern (Glashütte Muckenhof) nachgewiesen. Um 1790 machte der Hüttenmeister Jakob Hirsch, Pächter der Schürerhütte, genannt „Hirsch-Hütte“, bei Seewiesen im Böhmerwald erfolgreiche Versuche mit der Produktion von Farbglas. Bei den nordböhmischen Glasraffinerien (Veredlern) war das farbige Rohglas aus dem Böhmerwald dann vor allem in der Zeit des beginnenden Biedermeier sehr gefragt.
Vorwiegend als Tafelglasmacher für Spiegel- und Fensterglas finden sich die Hirsch dann in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf fast allen Tafelglashütten des Böhmerwaldes und des Bayerischen Waldes. Jahrhundertelang hat die Grenze zwischen Böhmen und Bayern für die Wanderungsbewegungen der Glasmacher keine Rolle gespielt. Zu Anfang der 1830er Jahre erlebten die legalen und illegalen Zuwanderungen nach Bayern ihren Höhepunkt. Dabei kamen viele Glasmacher mit dem Namen Hirsch auf Glashütten im Bayerischen Wald, so etwa nach Unterhütte bei Waldmünchen, Schönbach nahe Bodenmais oder Schwarzenthal bei Philippsreut.
Einzelne Familiengruppen zogen zu den Hütten im Spessart (siehe Johann Josef Hirsch), im Thüringer Wald und nach Schlesien. Auch Glashütten in Sachsen, in der Lausitz und vereinzelt in Westfalen und Preußen waren das Ziel der Auswanderer. Glasmacher namens Hirsch arbeiteten auf Glashütten in allen Teilen von Österreich-Ungarn.
Ein bedeutender Familienzweig ist derjenige des Josef Hirsch (1743–1836) aus Strasshütte in Böhmen, später Hüttenmeister in Emmerichsthal bei Obersinn im Spessart. Seine Söhne Johann Baptist (1779–1859) und Franz (1789–1861) arbeiteten auf der Tafelglashütte Angstedt bei Ilmenau im Thüringer Wald. Ab etwa 1817 waren sie auf der Spiegelglashütte Friedrichsthal bei Lauchhammer in der Lausitz tätig.
Die Nachfahren von Johann Baptist Hirsch und Franz Hirsch gründeten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Glasfabriken in Sachsen, Thüringen und Schlesien. auf die Familie gehen u. a. folgende Fabrikgründungen zurück:
Altenburg
Arnsdorf
Bad Muskau
Brand-Erbisdorf
Bolesławiec (Bunzlau/Schlesien)
Döbern
Groß Kölzig
Moritzdorf
Pirna
Radeberg
Ruszów (Rauscha) bei Görlitz
Ruhland
Schmölln (Oberlausitz)
Tuplice (Teuplitz)
Węgliniec (Kohlfurt)
Weißwasser/Oberlausitz
Um 1890 befindet sich in Berlin mit Adresse Luisenufer 12 (heute Legiendamm 24), direkt am Luisenstädtischen Kanal wahrscheinlich ein Geschäft des Glashüttenwerks Hirsch, Janke & Co.
Die meisten der Glashütten haben die Weltwirtschaftskrise am Ende der 1920er Jahre nicht überstanden.
Ein anschauliches Beispiel für die grenzüberschreitenden Wanderungen der Glasmacherfamilien gibt die Linie Anton Hirsch: Von einer der Tafelglashütten im Böhmerwald kam der Glasmacher Anton Hirsch (* 1806 in Antiglhütte) nach 1821 auf die Spiegelglashütte Schwarzenthal bei Philippsreut (Bayerischer Wald). Er heiratete Anna Maria Springer (* 1807) aus Landstraßen bei Winterberg (Böhmen). Die Kinder Andreas (* 1838), Karl (* 1839), Barbara (* 1841) und Peter (* 1847) wurden in Schwarzenthal geboren. Andreas Hirsch arbeitete später als Schmelzer auf der Spiegelglashütte Elisenthal (Alžbětín) bei Markt Eisenstein im Böhmerwald, wo seine Frau Susanna Pelikan 1847 geboren wurde. Sie heirateten 1867 in Brand, in der zuständigen Pfarrkirche für den Glashüttenort Sorghof bei Tachau in Böhmen. Als Schmelzer gehörte Andreas Hirsch zur Gründungsbelegschaft dieser neuen Spiegelglashütte. In Sorghof kamen die Kinder Georg (* 1868), Rudolf (1869–1914) und Barbara (* 1871) zur Welt. Rudolf Hirsch arbeitete als Tafelglasmacher in Fichtenbach im Bezirk Taus (Böhmen) und heiratete 1910 Josefa Spichtinger (1880–1952) aus Charlottenthal bei Schönsee (Oberpfalz). Ihr gemeinsamer Sohn Franz Hirsch (1911–1980) wurde in Furth im Wald geboren. Die Familie ging dann nach Waldsassen in der nördlichen Oberpfalz, wo es damals zwei Glashütten gab. Ab 1919 in Flanitzhütte bei Frauenau im Bayerischen Wald ansässig, wurde Franz Hirsch 1924 Hohlglasmacher bei der im gleichen Jahr gegründeten Glashütte Gistl in Frauenau.

Hans Wolfgang Sachse

Hans Wolfgang Sachse (* 17. März 1899 in Dresden; † 20. Dezember 1982 in Plauen) war ein deutscher Komponist.

Von 1909 bis 1911 lernte er an der Thomasschule zu Leipzig. Von 1919 bis 1921 studierte er am Leipziger Konservatorium Komposition (bei Paul Graener), Kontrapunkt (bei Stephan Krehl) und Opernschule (bei Otto Lohse). Parallel studierte er an der Universität Leipzig Musikwissenschaft (bei Hugo Riemann, Herbert Albert, Arnold Schering), Philosophie und Germanistik. Nach seinem Studium wurde er Theaterkapellmeister in Plauen. Seit 1927 arbeitete er als freischaffender Komponist, Dirigent und Musikerzieher. Nach 1945 wurde er vom sowjetischen NKWD verhaftet und verbrachte einige Jahre im Speziallager Nr. 1 Mühlberg. Im Jahre 1960 wurde ihm der Kunstpreis des Bezirks Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) und 1981 der Vaterländische Verdienstorden verliehen.
Sein Nachlass befindet sich im Stadtarchiv Plauen.
Briefe von Hans Wolfgang Sachse befinden sich im Bestand des Leipziger Musikverlages C.F.Peters im Staatsarchiv Leipzig.

John Robert Cartwright

John Robert Cartwright, PC, CC, MC (* 23. März 1895 in Toronto; † 24. November 1979) war ein kanadischer Richter. Er gehörte von 1949 bis 1970 dem Obersten Gerichtshof von Kanada an und war ab 1967 dessen Vorsitzender (Chief Justice).
Cartwright erhielt seine Schulbildung am Upper Canada College und begann 1912, an der Osgoode Hall Law School Recht zu studieren. Daneben arbeitete er als Praktikant in der Kanzlei Smith, Rae & Greer. 1914 unterbrach er sein Studium und diente im Ersten Weltkrieg freiwillig als Soldat. 1915 wurde er zweimal verwundet und war danach für drei verschiedene Generäle als Aide-de-camp tätig. 1917 wurde er mit dem Military Cross ausgezeichnet. Nach Kanada zurückgekehrt, setzte Cartwright sein Studium fort. 1920 erhielt er die Zulassung als Rechtsanwalt.
1947 war Cartwright für die Kommission der Richter Robert Taschereau und Roy Kellock, die den Fall des übergelaufenen sowjetischen Spions Igor Gusenko untersuchte, als juristischer Berater tätig. Premierminister Louis Saint-Laurent ernannte ihn am 22. Dezember 1949 zum Richter am Obersten Gerichtshof von Kanada. Am 1. September 1967 beförderte ihn Premierminister Lester Pearson zum Chief Justice. Mit Erreichen der Alterslimite von 75 Jahren trat Cartwright am 23. März 1970 zurück.
Richards | Ritchie | Strong | H.-E. Taschereau | Fitzpatrick | Davies | Anglin | Duff | Rinfret | Kerwin | R. Taschereau | Cartwright | Fauteux | Laskin | Dickson | Lamer | McLachlin