Luis Trenker

Luis Trenker, geboren als Alois Franz Trenker (* 4. Oktober 1892 in St. Ulrich in Gröden, Tirol, Österreich-Ungarn; † 12. April 1990 in Bozen, Italien), war ein Bergsteiger, Schauspieler, Regisseur und Schriftsteller. Bekannt geworden ist er insbesondere für seine Filme über die Alpen.

Luis Trenker wurde 1892 als Sohn des Holzbildhauers und Malers Jakob Trenker und seiner Frau Karolina geb. Demetz in St. Ulrich in Gröden geboren. Er wuchs zweisprachig auf, mit dem aus Nordtirol stammenden Vater sprach er Deutsch, Tiroler Dialekt, mit der Mutter und den anderen Kindern im Dorf sprach er meist Ladinisch. Nach dem Besuch der örtlichen Volksschule (1898 bis 1901) und der Bürgerschule im Knabenseminar Josefinum im nahen Bozen (1902/03) war Trenker kurzzeitig Ingenieur-Lehrling im Elektrizitätswerk seines Großvaters, Ferdinand Demetz, in St. Ulrich. Von 1903 bis 1905 besuchte er die Bau- und Kunsthandwerkerschule in Bozen. Dem schloss sich bis 1912 der Besuch der k. u. k. Realschule in Innsbruck an, wo er als Fremdsprache Italienisch lernte. Dort trat er der katholischen Mittelschulverbindung Cimbria Innsbruck bei. Bereits in seiner Schulzeit arbeitete er in den Ferien als Bergführer und Skilehrer. Trenker studierte nach der Reifeprüfung an der Technischen Hochschule Wien Architektur. Am Ersten Weltkrieg nahm er von Beginn an teil. Zunächst kämpfte er als Offiziersanwärter bei der österreichisch-ungarischen schweren Artillerie an der Ostfront in Galizien und Russisch-Polen. Dann war er im Gebirgskrieg 1915–1918 gegen Italien eingesetzt, zuerst als Artilleriefähnrich im Sperrfort Verle bei Trient und nach einer Verwundung ab 1916 als Bergführer in einer Bergführerkompanie in den Dolomiten. Zum Kriegsende hatte er den Rang eines Oberleutnants.
Nach Kriegsende unternahm Trenker erfolglose Versuche, in Bozen eine kaufmännische Existenz zu gründen. Schließlich nahm er sein Architekturstudium wieder auf, das er 1924 an der Technischen Universität Graz beendete. Er arbeitete danach als Architekt in Bozen in einem gemeinsam mit Clemens Holzmeister geführten Büro. Trenker nahm an den Olympischen Spielen 1924 in Chamonix als Mitglied der italienischen Fünferbobmannschaft teil. Die Mannschaft, bestehend neben Trenker aus den Südtirolern Ludwig Obexer, Max Fink, Paul Herbert und Josef Steiner, belegte den sechsten und damit letzten Platz. 1928 heiratete Trenker Hilda von Bleichert (1903–1988), Tochter des Leipziger Großindustriellen Paul von Bleichert (1877–1938), mit der er vier Kinder hatte: Florian, der später in seine Fußstapfen treten sollte, Ferdinand, Barbara und Josef Trenker. Diese Kinder bescherten ihm eine Reihe von Enkeln (Christian Trenker, Sven Oleownik, Walburga Trenker, Jasmine und Tommy Perathoner) und Urenkeln.
Erste Kontakte zum Film ergaben sich 1921. Trenker wurde von Arnold Fanck für den Film Berg des Schicksals als Bergführer engagiert. Als Fanck feststellte, dass der vorgesehene Hauptdarsteller nicht klettern konnte, übernahm Trenker die Hauptrolle. Darauf folgten rasch weitere Filme, zunächst als Schauspieler, ab 1928 auch als Regisseur. In diesen ist Trenker oft Hauptdarsteller, Regisseur und Drehbuchautor in einer Person. Ein neues Gesetz von 1927, wonach in Italien nur noch inländische Studientitel anerkannt wurden, erschwerte Trenker, der in Österreich studiert hatte, seine Arbeit als Architekt. Kurze Zeit später gab er sein Architekturbüro auf, arbeitete nur noch als Künstler und lebte bis 1940 in Berlin.
Als Regisseur debütierte er 1928 mit dem Stummfilm Der Kampf ums Matterhorn. Dem Engagement von Carl Laemmle ist es zu verdanken, dass Trenker in Hollywood englischsprachige Versionen seiner ersten beiden Tonfilme herstellen konnte. Ganz oder teilweise in Amerika spielen seine folgenden Arbeiten, Lebensentwürfe zweier in den USA scheiternder Auswanderer, die in ihren Beschreibungen fremder Städte und Natur famose visuelle Qualität entwickeln. Dem kompetenten Blick des Alpinisten auf Wolkenkratzer und in Straßenschluchten offenbarte sich New York als Landschaft, die verborgene Kamera dokumentierte neorealistisch Spuren der Weltwirtschaftskrise (Der verlorene Sohn, 1933/34). Die Wüsten des Westens hingegen erschienen ihm als Weiten, die Gefahren bergen (Der Kaiser von Kalifornien, 1935/36).
Neben seinen Filmen veröffentlichte Trenker eine Reihe von Romanen, Artikeln und Erlebnisberichten. Seine erste Veröffentlichung war ein Bericht über die Dreharbeiten zum Kampf ums Matterhorn, den er auf Anregung Theodor Wolffs für das Berliner Tageblatt schrieb. Nach der großen positiven Resonanz dieses Artikels beim Publikum legte Trenker 1931 Berge in Flammen. Ein Roman aus den Schicksalstagen Südtirols nach dem gleichnamigen Kinoerfolg vor, der den Preis der Stadt Wien für das „Beste Buch des Jahres“ erhielt. Bei dieser wie bei weiteren Publikationen versicherte sich Trenker der Mitarbeit versierter „Ghostwriter“. Half ihm zunächst der Münchner Autor Walter Schmidkunz, der Trenker von Bergtouren schon seit 1913 kannte und 1928 den Dichterpreis der Stadt München erhalten hatte, so arbeitete Trenker seit 1935 mit dem bekennenden Nationalsozialisten Karl Springenschmid aus Salzburg zusammen. Wesentliche Teile von Trenkers Kriegserinnerungen Sperrfort Rocca Alta. Der Heldenkampf eines Panzerwerkes (1937) und weitere Werke, die später unter Trenkers Namen u. a. im Franz-Eher-Verlag der NSDAP erschienen, hatte sein Kriegskamerad, der Schriftsteller Fritz Weber, geschrieben. Die späteren, nach 1950 erscheinenden Auflagen seiner Bücher überarbeitete Trenker allein, vor allem indem er politisch kompromittierende Stellen überarbeitete oder strich.
Trenkers Art, sich anderer Autoren oder fremder Stoffe zu bedienen, brachte ihn auch vor Gericht. Bereits Arnold Fanck warf ihm Ende der 1920er Jahre vor, eine Filmhandlung aus Fancks Drehbüchern übernommen zu haben. Die Aussage zweier Mitarbeiter Fancks, die fortan für Trenker arbeiteten, verhinderte eine Verurteilung. 1937 hatte Trenker weniger Glück. Er wurde verurteilt, für seinen Historienfilm Condottieri ein Werk des Kärntner Pfarrers Michael Paul Moser plagiiert zu haben. Diese Vorstrafe wurde durch eine Begnadigung Hitlers am 19. Juli 1940 gestrichen. 1954 reichte dann Fritz Weber eine Feststellungsklage ein, dass er der Autor einiger Werke sei, die unter Trenkers Namen erschienen waren. Dieser Rechtsstreit wurde mit einem Vergleich beigelegt.
Ein Hauptthema in Trenkers künstlerischem Schaffen ist die Idealisierung eines der Heimat- und Bergwelt verbundenen Lebens, das häufig der Dekadenz der Städte und Stadtbewohner gegenübergestellt wird. Das faschistische Regime in Italien und das NS-Regime in Deutschland konnten Trenkers Werke nicht zuletzt deshalb instrumentalisieren. Vor allem aber zählte Adolf Hitler lange Zeit zu Trenkers Bewunderern. Wenige Wochen vor der NS-Machtübernahme hielt Joseph Goebbels am 19. Januar 1933 in seinem Tagebuch fest: „Abends Film. Luis Trenker, Der Rebell. Die Spitzenleistung. Ein nationalistischer Aufbruch. Ganz große Massenszenen … Hitler ist Feuer und Fett.“
Sein Filmschaffen in Italien hatte die ideologischen Erwartungen Benito Mussolinis erfüllt. Auf eine Bemerkung des Emigranten Paul Kohner, dass Condottieri (1937) wirklich ein faschistischer Film sei, antwortete Trenker damals offen: „Sie wundern sich? Ich erhielt doch den Auftrag, diesen Film zu machen, und die italienische Regierung finanzierte auch zum großen Teil die Arbeiten dazu. Wie soll denn da ein Film anders werden?“ Dieser Film, eine deutsch-italienische Koproduktion, für deren Massenszenen 60 Mann der Leibstandarte SS Adolf Hitler abkommandiert wurden, gilt der Filmwissenschaft heute aufgrund seines „propagandistischen Charakters“ als Beispiel für den „italienischen Film im Faschismus“. Ein interessantes Detail dabei war, dass Trenker seine Filme auch in Italien in seiner deutschen Muttersprache aufnahm; dies scheint die faschistischen Machthaber nicht weiter gestört zu haben. Trenker setzte sich auch besonders für die in Bozen geplante Filmstadt ein, die allerdings nie errichtet wurde.
Trenker, der seit 1927 in Berlin lebte, trat schon im September 1933 der nationalsozialistischen Reichsfachschaft Film bei. Anfang April 1933 meldete die Zeitschrift Kinematograph, dass Trenker gemeinsam mit Carl Boese, Victor Janson und Fritz Lang die Abteilung Regie in der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation (NSBO) gegründet habe, wofür es aber keine weiteren Belege gibt. Lang zumindest erklärte 1962 in einem Interview, er habe keine leitende Funktion in einer der NSDAP nahestehenden Organisation bekleidet. Entgegen seinen späteren Behauptungen optierte Trenker im März 1940 im Zuge des Südtiroler Optionsabkommens nach langem Zögern für das Deutsche Reich. Im Sommer 1940 trat er auch der NSDAP bei.
Trenker versuchte sich dem Druck der künstlerischen Unterordnung zum Teil zu widersetzen, er fühlte sich vom deutschen NS-Regime immer weiter in die Enge getrieben. Bei den NS-Stellen waren schon früh Beschwerden über Trenker eingegangen, die jedoch ohne direkte Folgen blieben und seinen Stellenwert für die NS-Spitze viele Jahre lang nicht beeinträchtigten. Zunächst wurde er von P. G. Wohlhuber (Reichspropagandaleitung Abt. IV) im Februar 1934 denunziert. Dieser hatte Trenker belauscht, als er seinem Ärger in einem Gasthof Luft machte. Trenker beschwerte sich über die strengen deutschen Gesetze und meinte, so wolle er keine Filme mehr drehen, und überhaupt könnten sie ihn in Berlin „kreuzweise“. Fred Lyssa, Produktionsleiter der UFA, denunzierte ihn nur wenig später (März 1934) in einem ausführlichen Brief, in dem er eine Äußerung Trenkers bei einer gemeinsamen Autofahrt in New York wiedergab: „Ich habe da gestern einen Schweden gesprochen – na ja er hat ja Recht, es ist auch eine Schande, dass die Deutschen die Literatur verbrannten und dass Deutschland die Juden rausschmeisst“.
1934 waren Beschwerden beim Reichsfachschaftleiter Film wegen der Verschleuderung des von Trenker nach Südtirol eingeführten deutschen Kapitals eingegangen. Von seinen Mitarbeitern darauf angesprochen, entgegnete Trenker wörtlich: „Ich bin Tiroler hier in Tirol, und das ‚Deutsche Kapital‘ ist mir wurscht!“ und machte somit klar, dass er es weiter nach eigenem Gutdünken verwenden werde. Auch wurde er mehrfach von Mitarbeitern kritisiert, er würde zu viele Ausländer in seinen Filmen engagieren. Es gab auch eine Mahnung (Februar 1938) der Reichstheaterkammer, da Trenker in Wien jüdische Schauspieler verpflichtete.
Die „Wertschätzung der Nationalsozialisten“ blieb Trenker trotzdem lange erhalten. Sie erfuhr, fasste Die Welt 2005 das Verhältnis der NS-Spitze zu Trenker zusammen, „erst eine Trübung, als er sich nach der Einigung zwischen Mussolini und Hitler nicht recht entscheiden mochte, ob er, der Südtiroler, nun für Italien oder das Deutsche Reich votieren sollte. Das Lavieren trug ihm böse Kommentare von NS-Funktionären ein.“
Aufgrund seines Zögerns in der schwierigen Optionsfrage fiel Trenker bei der NS-Führung dann im Frühjahr 1940 in Ungnade. Am 5. März 1940 verzeichnete Goebbels dazu in seinem Tagebuch: „Ich trage dem Führer den Fall Trenker vor. Dieses Schweinestück hat in Südtirol nicht für uns optiert. Hinhalten, freundlich sein, aber abservieren.“ Kurz darauf wurden auf direkte Anweisung von Goebbels hin sämtliche seiner Filmprojekte eingefroren oder abgesagt. 1940 beauftragte Himmler seinen Geheimdienst SD, die früheren „deutschfeindlichen“ Äußerungen Trenkers nochmals näher zu untersuchen.
Trenkers weiteres politisches Agieren bezeichnete Der Spiegel 1994 dann als „Werben um die Gunst der Nazi-Größen“ und als „serviles Bemühen, das Wohlwollen der Nazis wiederzuerringen“. Ende März 1940 optierte er schließlich fürs Deutsche Reich, versicherte sich aber, dass seine Eltern weiterhin in ihrem Haus in Südtirol verbleiben durften. Er wurde bei Goebbels vorstellig, dem er laut dessen Aufzeichnungen „etwas von seinem Deutschtum vor(geschwafelt)“ habe.
Dies und seine Bittschreiben an Hitler, Goebbels und Himmler blieben allesamt erfolglos. Um etwa seine Entscheidungskrise in der Südtiroler Optionsfrage zu rechtfertigen, verfasste er ein weiteres Schreiben an Hitler, worin er seine innere Bindung an sein Geburtsland und seine Berge beschreibt, aber auch erklärte: „Sie, mein Führer […] können sich verlassen, daß ich zu gegebener Stunde genau weiß, wo ich hingehöre und wo ich zu stehen habe.“
Der Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums sandte 1941 ein Schreiben an den persönlichen Stab Himmlers, in dem sämtliche Zuwiderhandlungen Trenkers angeführt sind: Trenkers zwiespältiges Hofieren bei den italienischen Machthabern, seine Äußerungen gegen die Abwanderung der Südtiroler aus ihrem Gebiet sowie der Hinweis auf „deutschfeindliche“ Betätigungen im Ausland. In seiner beim Sicherheitsdienst hinterlegten Karteikarte findet man auch die Bezeichnung „deutschfeindlich“.
1941 wurden das Drehbuch und die Finanzierung eines neuen Films abgelehnt, da Trenker darauf bestanden hatte, in den italienischen Alpen zu drehen. Auch andere Filmprojekte wurden von der Reichsleitung abgelehnt. 1942 spielte er als Hauptdarsteller mit Genehmigung der Reichsfilmkammer im nationalsozialistischen Propagandafilm Germanin – Bayer 205. Das Drehbuch stammte diesmal allerdings nicht von Trenker selbst; Regie führte Goebbels’ Schwager Max W. Kimmich. Die Hauptrolle in Germanin trug Trenker nach 1945 „den Ruf eines Nazi-Schauspielers“ ein (König, F. Trenker: Bera Luis. 2006, S. 219). Wie aus einem Brief an den Stab Himmlers hervorgeht, wurde Trenker nach diesem Film offiziell mit Berufsverbot belegt.
1940 verließ er Berlin und zog nach Rom, wo er sich bessere Bedingungen erhoffte und 1942 Pastor Angelicus drehte. Er konnte 1943, diesmal auch wieder in der Funktion des Regisseurs und Autors, in Italien mit den Dreharbeiten zum Film Im Banne des Monte Miracolo beginnen, die er jedoch erst sechs Jahre später in Österreich beenden konnte. König/F.Trenker (Bera Luis. 2006, S. 221) bezeichnen diesen Film „als eigentliche letzte filmische Tätigkeit Trenkers zur Zeit des Dritten Reiches“. Er zog sich schließlich nach Bozen zurück und versuchte weiterhin, Finanzmittel für neue Filmprojekte aufzutreiben.
Anhand der Akten über Trenker im Berliner Document Center ergibt sich nach Ansicht des Autors Florian Leimgruber folgendes Bild in der NS-Zeit: „Uns begegnet weder ein kraxelnder Freiheitsheld noch ein kriecherisch-unterwürfiger Handlanger oder Kollaborateur. […] ein normaler Durchschnittsmensch, der auch in schwierigsten Situationen in erster Linie darauf bedacht ist, sich und seine Schäfchen ins Trockene zu bringen, sich seine ökonomischen Möglichkeiten und die berufliche Entfaltung nicht vermiesen zu lassen.“
Trenker wird von Kritikern trotz seines faktischen Berufsverbotes opportunistisches Verhalten gegenüber dem Hitler-Regime vorgeworfen. Vergebens wies er darauf hin, dass Adolf Hitler später seine Filme als „wurmstichig“ und Goebbels ihn als „Schuft und vaterlandslosen Gesellen, den man hinhalten und dann erledigen müsse“, bezeichnet hatten.
Nach 1945 verkaufte er zunächst Schnitzereien aus dem Grödnertal. Er verkaufte neue Schnitzereien als Antiquitäten, nachdem er sie mit Schrot beschossen, mit dem Lötkolben versengt oder zeitweise in der Erde vergraben hatte.
Er versuchte ab 1946 das Manuskript von Tagebüchern der Eva Braun in Europa und den USA zu verkaufen. 1948 erschienen die Tagebücher zunächst in Frankreich und Italien als Buch. Im Jahr 1949 folgten Bücher in den Niederlanden und Großbritannien. Als nach der Wiener Zeitung Welt am Abend auch die Münchner Zeitschrift „Wochenend“ im September 1948 mit einem deutschsprachigen Vorabdruck des angeblichen Tagebuchs begann, wurde dieser nach der ersten Ausgabe von der Familie Braun mit Leni Riefenstahl als Nebenklägerin durch eine einstweilige Verfügung des Landgerichts München I gestoppt. Jahrzehnte später wollte dann auch Trenker von dieser Episode nichts mehr wissen. Auf die gefälschten Tagebücher angesprochen, erklärte er 1976: „Ich habe nie ein Tagebuch der Eva Braun veröffentlicht, das war eine Unterschiebung einiger Presseleute, die die angeblichen Tagebuchnotizen gegen meinen Willen veröffentlicht haben, weil sie dieselben dann leichter verkauft haben. Ich habe auch nie im Leben etwas von einem Tagebuch der Gräfin Larisch gelesen oder gehört.“ Die wahre Urheberschaft der Fälschung blieb ungeklärt. Bis heute wird meist von einer Urheberschaft Trenkers ausgegangen.
1949 setzte er mit der 1937 in Berlin gegründeten Luis Trenker-Film GmbH seine Filmarbeit in München fort. Er drehte, zunächst in Koproduktion mit der Olympia-Film GmbH München, Kurzfilme über die Bergwelt, Porträts ihrer Bewohner. Es dauerte bis in die 1950er Jahre, bis Trenker, der zwischen München und Bozen pendelte, wieder an alte Filmerfolge anknüpfen konnte. Er drehte zunächst Dokumentarfilme, die die Bergwelt behandeln, und ab 1955 wieder Kinofilme.
In der Sowjetischen Besatzungszone wurden seine Werke Kampf in den Bergen (Neufeld & Henius, Berlin 1932), Berge in Flammen (Knaur, Berlin 1935), Sperrfort Rocca Alta (Knaur, Berlin 1938), Leuchtendes Land (Eher, München 1941) und Hauptmann Ladurner (Eher, München 1943) sowie in der Deutschen Demokratischen Republik Kameraden der Berge (Knaur, Berlin 1935) und Tiroler Helden (Knaur, Berlin 1942) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.
1959 lief im Bayerischen Rundfunk die Sendung Luis Trenker erzählt an, in der Trenker schwungvoll und packend über sein Leben erzählte. Ab 1965 drehte er überwiegend Dokumentarfilme über seine Heimat Südtirol. So trat er auch regelmäßig in der TV-Kindersendung Sport-Spiel-Spannung auf. In den 1970er Jahren hatte er seine eigene Sendung im öffentlich-rechtlichen Fernsehen („Berge und Geschichten“). Erfolg hatte Trenker auch noch als Gelegenheitsschauspieler (so in der Fernsehserie Luftsprünge, 1969) und als Vermarkter seines unumstrittenen Rufs als Fachmann für alles irgendwie Alpine (Trenker-Hut, Trenker-Cord). Dazu zählen auch die zahlreichen in Zusammenarbeit mit Helmut Dumler edierten Alpen-Bildbände (Bruckmann Verlag, München 1970–80).
Unter dem Titel Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit drehte Wolfgang Murnberger 2014 einen Film über Trenker in dem Tobias Moretti Trenker spielte.
Im Jahr 1974 war er eines der Gründungsmitglieder der bayerischen Sektion des Freien Deutschen Autorenverbandes, dem er später auch als Vorsitzender vorstand.
Trenker hat den Freilichtfilm, den Film ohne Schminke, entdeckt und hoffähig gemacht. Ihn auf den Begriff Bergfilmer zu reduzieren, ist falsch. Er hat mit Der Berg ruft zwar einen herausragenden Bergfilm gemacht, er inszenierte aber auch Abenteuerfilme, Komödien, Krimis und Historienfilme, in denen das Motiv Berg eines von vielen war. Die eindringliche Hungerszene in Der verlorene Sohn wurde von Roberto Rossellini als wichtiger Eindruck auf dem Weg zum Neorealismus genannt.
In seinen letzten Lebensjahren setzte sich Luis Trenker auch für Umwelt- und Naturschutz ein und sprach sich etwa vehement gegen eine durch das Oberpustertal führende Neutrassierung der sogenannten „Alemagna“-Autobahn aus. Luis Trenker starb mit 97 Jahren in Bozen und wurde im Ortsfriedhof seiner Heimatgemeinde St. Ulrich in Gröden im Familiengrab beerdigt.
Einige der unter Trenkers Namen veröffentlichten Werke wurden weitgehend von teilweise nicht genannten Ghostwritern und Koautoren wie Fritz Weber verfasst; Trenkers tatsächlicher Anteil für die hier aufgeführten Werke ist daher nicht bekannt. Es kam mehrfach zu juristische Auseinandersetzungen von Trenker mit Ghostwritern und Koautoren.

Aston Martin V12 Zagato

Aston Martin V12 Zagato (2011–2012)
Der Aston Martin V12 Zagato ist ein Sportwagen des britischen Automobilherstellers Aston Martin. Das auf 101 Exemplare limitierte Coupé wurde in Zusammenarbeit mit dem italienischen Designstudio Zagato entwickelt.

Bereits in den 1950er Jahren bestand eine Geschäftsbeziehung zwischen Aston Martin und Zagato. 1960 hatte Zagato eine Spezialausfertigung des Aston Martin DB4 eingekleidet, die die Bezeichnung DB4 GT Zagato trug und bald zu einem Klassiker des Automobilbaus wurde. Anlässlich des Genfer Automobilsalons 1984 vereinbarten beide Unternehmen, ein neues Projekt zu starten. Heraus kam 1987 der V8 Zagato. Des Weiteren baute Zagato 2002–2004 auf dem DB7 die jeweils auf 99 Stück limitierten Modelle DB7 Zagato sowie DB AR1. Der V12 Zagato setzt somit die Tradition dieser Zusammenarbeit weiter fort.
Der V12 Zagato basiert auf dem V12 Vantage, der Motor wurde übernommen. Aus 5,9 Litern Hubraum generiert der V12-Benzinmotor 380 kW (517 PS) und 570 Nm und treibt die Hinterräder an. Der Hersteller gibt als Höchstgeschwindigkeit 305 km/h und für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h 4,2 Sekunden an. Bei seiner Premiere am 21. Mai 2011 auf dem Concorso d’Eleganza Villa d’Este am Comer See wurde der V12 Zagato vom Publikum zum schönsten Prototypen gewählt. Anfangs existierten lediglich zwei Modelle ohne Straßenzulassung mit Rennstrecken-Auslegung, die bereits am 24-Stunden-Rennen am Nürburgring teilnahmen.
Am 9. Februar 2012 startete die Fertigung in Kleinserie. Gefertigt wurden 101 Stück zum Preis von ca. 500.000 Euro. Bei der Zusammenstellung der Materialien und in Sachen Design nutzte man die gesammelten Erfahrungen aus der Entwicklung des Supersportwagens One-77. Das Dach, die Motorhaube sowie die Türen wurden aus Aluminium handgefertigt, die Kotflügel vorne und hinten, die Kofferraumklappe sowie die Seitenschweller sind aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, um das Leergewicht gering zu halten.
Die wichtigsten Elemente an der Front sind der dominante Grill mit gezackten Lamellen, die ovalen Frontscheinwerfer, die Lippe unter der Frontstoßstange, die großen Lufteinlässe in der Motorhaube und an den Seiten und sein feststehender Heckspoiler. Im Vergleich zur Vantage-Basis ist die Karosserie am Heck deutlich gekürzt, die runden Heckleuchten erinnern an den DB4 GT Zagato. Im Dach sind zwei für Zagato typische Wölbungen – die sogenannte „Double Bubble“ – ausgeformt um die Kopffreiheit der Passagiere zu erhöhen. Im Interieur setzt Aston Martin auf Lederschalensitze mit Kontrastnähten, das „Z“ aus Zagato ist überall im Innenraum zu finden.
Heckansicht
Aston Martin V12 Zagato Rennwagen
Heckansicht des Rennwagens
Aktuelle Modelle: DB9 | DB11 | Rapide | Vantage | Vanquish
Historische Modelle: Cygnet | DB1 | DB2 | DB2/4 | DB4 | DB4 GT Zagato | DB5 | DB6 | DB7 | DB10 | DBS (1967) | DBS (2007) | Lagonda | Lagonda Rapide | One-77 | V8 (1972) | V8 (1996) | V8 Zagato | V12 Vanquish | V12 Zagato | Vantage | Virage (1989) | Virage (2011)
Motorsport: DBR1 | DBR2 | DB3 | DBR4 | DBR9 | DBRS9 | Vulcan | Lola-Aston Martin LMP1

René Carpentier

René Lucien Carpentier (* 2. August 1928 in Sangatte, Département Pas-de-Calais; † 9. Mai 1997 in Trith-Saint-Léger) war ein französischer Politiker (FKP). Er war Abgeordneter der Nationalversammlung und Bürgermeister von Trith-Saint-Léger.

Carpentier, Sohn einer Arbeiterfamilie, ließ sich nach dem Krieg 1945 in Trith-Saint-Léger, in der Gegend von Valenciennes, nieder. Er begann als Walzwerkarbeiter bei der Société metallurgique de l’Escaut. 1953 traf ihn ein glühender Stahlspritzer am Auge und verletzte ihn so sehr, dass er fortan im Büro beschäftigt war. Als Mitglied der Gewerkschaft CGT wurde er 1959 in den Gemeinderat von Trith-Saint-Léger gewählt. 1961 trat er der Französischen Kommunistischen Partei (FKP) bei. 1966 wurde er Mitglied des Komitees des Départementverbandes Nord der FKP. Ab 1965 fungierte er als Erster Beigeordneter des Bürgermeisters von Trith-Saint-Léger. Carpentier war von August 1967 bis 1988 Mitglied des Generalrates des Départements Nord für den Kanton Valenciennes-Sud. Von 1971 bis 1996 hatte er das Amt des Bürgermeisters von Trith-Saint-Léger inne und war Vorsitzender des Interkommunalen Zweckverbändes (SIVOM) von Trith und 15 Nachbarkommunen.
Von September 1990 bis zu seinem Tode im Mai 1997 war Carpentier Abgeordneter der Nationalversammlung für den Wahlkreis 19 des Départements Nord. Carpentier war 1990 für den verstorbenen Gustave Ansart nachgerückt und wurde 1993 erneut zum Abgeordneten gewählt.
Carpentier erlag im Alter von 69 Jahren einer Krebserkrankung.
Nach ihm ist das Théâtre des Forges „René Carpentier“ in Trith-Saint-Léger benannt. In Rouvignies erhielt die Salle René Carpentier, die Vereinen zur Verfügung steht, sowie in Haveluy die rue René Carpentier seinen Namen.

Asterina phylactica

Asterina phylactica ist ein sehr kleiner Seestern aus der Familie Asterinidae in der Ordnung der Klappensterne (Valvatida), der im östlichen Nordatlantik heimisch ist und sich überwiegend von Bakterien und Diatomeen ernährt. Er brütet seine Jungtiere aus.

Asterina phylactica ist von abgeflachter, fünfeckiger Gestalt mit 5 kurzen stumpfen Armen und erreicht einen Durchmesser von höchstens 1,5 cm, womit sie einer der kleinsten Seesterne der Welt ist. Ihre Oberseite ist olivgrün mit einer sternförmigen braunen Zeichnung in der Mitte und von der weißlichen Unterseite durch eine klare Kante abgegrenzt. Von der nahe verwandten Asterina gibbosa unterscheidet sie sich auch dadurch, dass sie weniger Platten um die Mundöffnung herum hat.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Seesternen – auch in der Familie Asterinidae – ist Asterina phylactica ein Zwitter. Im ersten Lebensjahr produziert Asterina phylactica nur Spermien, doch im folgenden Jahr wird sie simultaner Hermaphrodit und produziert sowohl Spermien als auch Eizellen. Im späten Frühling kommen viele Individuen zusammen und stoßen Sperma ins Wasser aus, so dass die Eier befruchtet werden. Diese verbleiben an der Unterseite des Mutterseesterns und werden hier etwa drei Wochen lang gebrütet. Anders als bei fast allen anderen Seesternen entwickeln sich die Embryonen direkt ohne frei schwimmendes Larvenstadium und metamorphosieren unter dem schützenden mütterlichen Schirm zu juvenilen Seesternen, die schließlich die Obhut der Mutter verlassen. Die Seesterne werden etwa 2 Jahre alt und sterben, nachdem sie ihre Brut entlassen haben.
Asterina phylactica ist im östlichen Nordatlantik unter anderem entlang der Westküste von England, Wales, Schottland und dem nordwestlichen Irland, außerdem im Mittelmeer und der Adria anzutreffen. Hier lebt sie typischerweise in Gezeitentümpeln mit vielen Kalkrotalgen (Corallinales). Die Art verträgt stärkere Salz- und Temperaturschwankungen.
Asterina phylactica ernährt sich von Bakterien und Diatomeen, die auf der Oberfläche von Felsen leben. Hierzu stülpt sie ihren Magen aus, drückt ihn gegen den Felsen und scheidet Verdauungsenzyme aus, so dass die Mikroorganismen extraintestinal verdaut werden.
Früher wurden diese Seesterne zur Art Asterina gibbosa gerechnet, doch auf Grund der deutlich unterschiedlichen Fortpflanzungsstrategien wurde Asterina phylactica 1979 als eigene Art beschrieben.

Marshall C. Yovits

Marshall C. Yovits (* 16. Mai 1923 in Brooklyn) ist ein US-amerikanischer Physiker und Informatiker.
Yovits studierte am Union College in Schenectady mit dem Bachelor-Abschluss in Physik 1944. Danach arbeitete er für das National Advanced Committee for Aeronautics in Langley Field, Virginia. Er setzte sein Studium am Union College mit dem Master-Abschluss 1948 fort und wurde 1951 an der Yale University in Physik promoviert. Von 1948 bis 1950 war er auch Instructor in Yale. Nach seiner Promotion ging er an die Johns Hopkins University an das Labor für Angewandte Physik und von 1956 bis 1966 arbeitete er für das Office of Naval Research in Washington, D.C., wo er die Abteilung Informationssysteme einrichtete. Von 1962 bis 1966 leitete er außerdem die Military Operations Research Society.
1966 wurde er Professor und Vorstand der Fakultät für Informatik der Ohio State University und war dort Direktor des Computer and Information Science Research Center. 1980 ging er an die Indiana University-Purdue University (IUPUI) in Indianapolis als Dekan der School of Science, was er bis 1988 blieb. Bis zu seiner Emeritierung 1993 war er dort auch Professor für Informatik.
1989 erhielt er den Computer Pioneer Award. Er erhielt einen Outstanding Performance Award und einen Superior Civilian Service Award der US Navy.

Sergei Jakowlewitsch Alymow

Sergei Jakowlewitsch Alymow (russisch Сергей Яковлевич Алымов; * 24. Märzjul./ 5. April 1892greg. im Dorf Slawgorod, Gouvernement Charkow; † 29. April 1948 in Moskau) war ein ukrainisch-sowjetischer Schriftsteller und Lyriker.

Alymow besuchte die Handelsschule in Charkow, die er aber nicht abschloss. Im Sommer 1911 wurde er wegen seiner Teilnahme an revolutionären Aktivitäten nach Sibirien in das Gouvernement Jenisseisk verbannt, floh aber bald von dort nach China. Er bereiste Japan, Korea und Australien und kehrte 1917 nach China zurück, wo er sich in Harbin niederließ. 1920 veröffentlichte er dort seinen ersten, stark vom Futurismus geprägten Gedichtband. Zur gleichen Zeit war er (gemeinsam mit Dawid Burljuk, Nikolai Assejew, Sergei Tretjakow und anderen) Mitglied der in Wladiwostok gegründeten futuristischen Künstlergruppe um die Zeitschrift „Twortschestwo“ (Творчество).
1926 kehrte er in die Sowjetunion zurück. In Moskau schrieb er populäre Gedichte und Liedtexte wie Вася-Василёк (1940; Musik von Anatoli Nowikow), Хороши весной в саду цветочки (Musik von Boris Mokroussow) und Под луной золотой (Musik von Isaak Dunajewski), und auch die Autorenschaft der Partisanenhymne По долинам и по взгорьям wurde ihm zugeschrieben.
Zu seinen im Westen bekanntesten Werken zählt sein Roman Schanghai, eine literarische Reflexion über das Leben in der Stadt aus den 1920er Jahren.
Aufgrund seiner guten Englischkenntnisse wurde er in Moskau häufig als Dolmetscher für amerikanische Schriftsteller eingesetzt, die die UdSSR besuchten. In den 1930er Jahren setzte sein Alkoholismus dieser Tätigkeit allerdings ein Ende. Im Zweiten Weltkrieg nahm Alymov an der Verteidigung von Sewastopol teil. Er starb 1948 durch einen Autounfall.
Sergei Alymow, Sergej Alymov, Sergej Âkovlevič Alymov, Sergěj Jakovl. Alymov, Sergei Iakovlevich Alymov

Sherrard Clemens

Sherrard Clemens (* 28. April 1820 in Wheeling, Virginia; † 30. Juni 1881 in St. Louis, Missouri) war ein US-amerikanischer Politiker. Zwischen 1852 und 1861 vertrat er zwei Mal den Bundesstaat Virginia im US-Repräsentantenhaus.
Der im heutigen West Virginia geborene Sherrard Clemens war ein Cousin von Samuel Clemens, der als Mark Twain bekannt wurde. Er schrieb sich zunächst an der US-Militärakademie in West Point ein. Nach sechs Monaten gab er diese Ausbildung auf. Nach einem anschließenden Jurastudium am Washington College und seiner 1843 erfolgten Zulassung als Rechtsanwalt begann er in Wheeling in diesem Beruf zu arbeiten. Gleichzeitig schlug er als Mitglied der Demokratischen Partei eine politische Laufbahn ein.
Nach dem Rücktritt des Abgeordneten George W. Thompson wurde Clemens bei der fälligen Nachwahl für den 15. Sitz von Virginia als dessen Nachfolger in das US-Repräsentantenhaus in Washington D.C. gewählt, wo er am 6. Dezember 1852 sein neues Mandat antrat. Bis zum 3. März 1853 beendete er dort die laufende Legislaturperiode. Bei den Kongresswahlen des Jahres 1856 wurde Clemens im zehnten Wahlbezirk seines Staates erneut in das US-Repräsentantenhaus gewählt, wo er am 4. März 1857 auf Zedekiah Kidwell folgte. Nach einer Wiederwahl konnte er bis zum 3. März 1861 zwei volle Legislaturperioden im Kongress absolvieren. Diese waren von den Ereignissen im Vorfeld des Bürgerkrieges geprägt.
Im Jahr 1861 war Clemens Delegierter auf der Versammlung, auf der Virginia den Austritt aus der Union beschloss. Clemens war ein Gegner dieses Schrittes. In den folgenden Jahren praktizierte er in Wheeling wieder als Anwalt. Später verlegte er seinen Wohnsitz und seine Kanzlei nach St. Louis, wo er am 30. Juni 1881 verstarb. Sherrard Clemens wurde auch durch ein Duell mit Jennings Wise, dem Sohn von Gouverneur Henry A. Wise, bekannt, bei dem Wise unverletzt blieb, Clemens aber verwundet wurde.
1. Bezirk: A. White | Rutherford | D. Morgan | R. Page | J. Smith | J. Jackson | McKinley | T. Wilson | J. Jackson | Pindall | E. Jackson | T. Newton | Loyall | T. Newton | Loyall | Beirne | Banks | Mallory | Atkinson | Millson | T.H. Bayly | M. Garnett | Segar | Ayer | Critcher | Sener | Douglas | R. Beale | Garrison | Mayo | Garrison | Croxton | Browne | W.A. Jones | S.O. Bland | Robeson | Downing | Trible | Bateman | J. Davis | Wittman • 2. Bezirk: J. Brown | A. Moore | Holmes | Stephenson | Morrow | Stephenson | Baker | F. White | Tate | Colston | Van Swearingen | Stephenson | A. Smith | Trezvant | J.Y. Mason | J. Bouldin | Botts | Cary | Dromgoole | Meade | Millson | Platt | J. Goode | Dezendorf | Libbey | Bowden | Lawson | D. Tyler | Young | R. Wise | Young | R. Wise | Maynard | Holland | Deal | Lankford | Darden | Hamilton | Darden | W.R. Harris | Daughton | Hardy | Whitehurst | Pickett | Schrock | Drake | Nye | Rigell • 3. Bezirk: A. Moore | Neville | G. Jackson | Machir | G. Jackson | J. Smith | H. Tucker | Williams | Archer | N. Claiborne | W. Coles | Beirne | J.W. Jones | W. Coles | Tredway | Flournoy | Averett | Caskie | DeJarnette | Porter | J.A. Smith | G. Walker | J. Johnston | G. Wise | Waddill | G. Wise | Ellett | Lamb | Montague | Satterfield | Gary | Satterfield III | Bliley | B. Scott
4. Bezirk: R. Lee | F. Preston | A. Trigg | Holmes | Swoope | McCoy | Alexander | J. Gholson | W. Coles | Craig | W. Coles | W. Goode | Hubard | Bocock | W. Goode | Pryor | Booker | Stowell | Jorgensen | Hooper | Brady | Gaines | E. Venable | Langston | J. Epes | McKenney | Thorp | S. Epes | Thorp | S. Epes | Lassiter | Southall | Lassiter | Turnbull | Watson | Drewry | Abbitt | R. Daniel | Sisisky | Forbes • 5. Bezirk: Madison | Hancock | J. Trigg | T. Lewis | A. Moore | A. Wilson | Breckinridge | Floyd | J. Randolph | Crump | J. Randolph | T. Bouldin | J. Randolph | T. Bouldin | J. Bouldin | Craig | Dromgoole | Craig | Hubard | J.W. Jones | Leake | Goggin | P. Powell | Bocock | Ridgway | Duke | A. Davis | Thomas | G. Cabell | J.R. Brown | Lester | Swanson | Saunders | James | Hooker | J. Whitehead | Burch | Stanley | Tuck | D. Daniel | Payne | V. Goode | Perriello | Hurt • 6. Bezirk: I. Coles | Venable | I. Coles | Clay | A. Trigg | Sheffey | Smyth | G. Tucker | Davenport | Dromgoole | J. Garland | Dromgoole | W. Coles | Gilmer | Goggin | Seddon | Botts | Holladay | P. Powell | Leake | Milnes | J. Harris | T. Whitehead | J. Tucker | J. Daniel | S. Hopkins | Edmunds | Otey | Glass | Woods | Woodrum | Almond | Burton | Poff | Butler | Olin | Goodlatte
7. Bezirk: J. Page | A. Venable | J. Randolph | J. Lewis | Caperton | B. Smith | W. Smith I | Leftwich | N. Claiborne | J. Garland | G. Hopkins | J. Garland | Goggin | H. Wise | T.H. Bayly | W. Smith II | Upton | McKenzie | Braxton | J. Harris | Paul | O’Ferrall | Turner | Hay | T. Harrison | Paul Jr. | T. Harrison | Garber | Fishburne | A. Robertson | B. Harrison | Marsh | Robinson | Slaughter | G. Allen | Bliley | Cantor | Brat • 8. Bezirk: J. Parker | T. Claiborne | S. Goode | T. Claiborne | W. Jones | Hungerford | Taliaferro | J. Lewis | Mercer | Bassett | Coke | H. Wise | G. Hopkins | Hunter | Goggin | H. Wise | W. Newton | Hunter | R. Beale | Seddon | Caskie | Faulkner | Boteler | Gibson | Terry | Hunton | J. Barbour Jr. | W. Lee | Meredith | Rixey | Carlin | R.W. Moore | H. Smith | W. Scott | Parris | H. Harris | Parris | Moran | Beyer • 9. Bezirk: T. Bland | Giles | Eggleston | Giles | P. Thompson | Love | Hawes | Hungerford | Ball | Stephenson | Stevenson | W.P. Taylor | J.W. Jones | Johnson II | Hill | Hunter | Chilton | Pendleton | Morton | J. Strother | Letcher | J. Harris | R. Bowen | Terry | Pridemore | Richmond | Fulkerson | H. Bowen | C. Trigg | H. Bowen | Buchanan | J.W. Marshall | J. Walker | Rhea | C. Slemp | C.B. Slemp | Peery | Shaffer | Flannagan | Fugate | Wampler | Jennings | Wampler | Boucher | Griffith
10. Bezirk: S. Griffin | C. Harrison | E. Gray | Dawson | Hawes | G. Strother | T. Moore | W. Rives | Gordon | Chinn | Johnson II | J.W. Jones | Holleman | Mallory | Taliaferro | W. Lucas | Bedinger | R. Parker | Faulkner | Kidwell | Clemens | W. Brown | J. Wise | J. Tucker | Yost | H. Tucker III | Yost | Quarles | H. Flood | H. Tucker III | J. Flood | Broyhill | Fisher | Wolf | Comstock • 11. Bezirk: J. Parker | T. Newton | New | J. Garnett | J. Roane | Dawson | P. Barbour | R. Taylor | P. Barbour | Patton | Stevenson | J. Robertson | Loyall | Mallory | G. Hopkins | Botts | W. Taylor | McDowell | Letcher | Snodgrass | C. Lewis | Carlile | Jenkins | Carlile | Blair | Byrne | T. Davis | Connolly • 12. Bezirk: J. Page | Evans | Stratton | T. Griffin | Bassett | J. Roane | W. Roane | R. Garnett | J. Roane | J.J. Roane | Gordon | E. Lucas | J.M. Mason | Hunter | Gilmer | Chapman | W. Preston | Edmundson | Whaley • 13. Bezirk: S. Griffin | Clopton | J. Marshall | Tazewell | Clopton | J. Trigg | Clark | Burwell | T.M. Bayly | Bassett | S. Parker | Bassett | Ball | Taliaferro | Chinn | Patton | J.Y. Mason | Mercer | Johnson II | Banks | W. Smith II | G. Hopkins | A. Fulton | McMullen | G. Hopkins | Martin • 14. Bezirk: F. Walker | S. Cabell | Clay | Burwell | Leftwich | Mercer | McComas | W. Morgan | J.W. Jones | C. Powell | Summers | Johnson II | R. Thompson | J. Beale
15. Bezirk: Madison | Dawson | J. Randolph | Kerr | Clay | Kerr | W. Lewis | G. Tucker | J. Barbour | E. Lucas | Mercer | Patton | Banks | W. Lucas | Barton | Steenrod | W. Brown | Newman | Haymond | G. Thompson | Clemens • 16. Bezirk: New | Eppes | Pleasants | Eppes | J. Randolph | Austin | J. Randolph | Stevenson | Armstrong | J. Beale | W. Morgan | Pennybacker | Mercer | McCarty | W.A. Harris • 17. Bezirk: R. Lee | Brent | L. Powell | Brent | T. Claiborne | J. Claiborne | T. Gholson | Pleasants | Archer | Williams | A. Powell | R. Allen | S. Moore | Patton | F. Rives | A.H. Stuart • 18. Bezirk: J. Nicholas | P. Thompson | Goodwyn | T. Gholson | T. Nelson | Alexander | Johnson II | Leffler | Doddridge | Johnson II | J. Fulton | J. Roane | J. Robertson | Samuels | G. Hopkins • 19. Bezirk: Heath | W. Jones | H. Lee | Taliaferro | E. Gray | Goodwyn | Pegram | J. Jones | McCoy | McComas | J. Robertson | A. Stuart | Steenrod | Summers • 20. Bezirk: T. Newton | Johnson I | J. Gray | A. Smith | Floyd | Craig | J. Allen | Taliaferro | Hays • 21. Bezirk: T. Randolph | W. Nicholas | D. Garland | H. Nelson | T. Newton | W. Smith I | Maxwell | E. Wilson | H. Wise | Steenrod • 22. Bezirk: Clopton | H. Nelson | Smyth | Estil | Smyth | Draper | C. Johnston | Draper • 23. Bezirk: Clopton | J. Tyler | Stevenson

Ferrochelatase

Ferrochelatase (auch: Häm-Synthase) ist ein Enzym in Eukaryoten und den meisten Bakterien, das den letzten Teilschritt der Synthese des Häm, die Chelatierung von Protoporphyrin IX mit einem Eisen-II-Ion, katalysiert. Da die Reaktion bei Eukaryoten in den Mitochondrien bzw. Chloroplasten stattfindet, muss Protoporphyrin zuvor in diese Kompartimente transportiert werden; der genaue Ablauf des Transports ist noch unklar. Beim Menschen führen Mutationen am FECH-Gen zu Ferrochelatasemangel, welcher für die seltene Erbkrankheit erythropoetische Protoporphyrie verantwortlich ist. In Archaeen und sulfatreduzierenden Bakterien, die Häm nach einem alternativen Syntheseweg herstellen, wurde das Eisen-chelierende Enzym noch nicht identifiziert.
+ Fe2+ ⇔ + 2H+
Protoporphyrin IX wird mit Eisen-II cheliert, Protonen werden abgespalten, Häm b entsteht. Umgekehrt kann das Enzym auch die Entfernung des Metallions beim Abbau verschiedener Häme katalysieren. Als Cofaktor fungiert ein Eisen-Schwefel-Cluster. Rekombinante Ferrochelatase ist in der Lage, auch andere zweiwertige Metallionen wie Kobalt, Nickel, Zink oder Kupfer zu chelieren.

Überfall auf Sundsvall

1. Phase: Schwedische Dominanz (1700–1709)
Humlebæk •Tönning I 
Jungfernhof • Riga I • Pühhajoggi • Narva • Düna • Rauge • Erastfer • Hummelshof • Peipussee • Tartu • Narva II • Wesenberg
Nöteborg • Nyenschanz • Newa •Systerbäck • Petersburg • Wyborg I • Porvoo 
Saladen • Jakobstadt • Gemauerthof • Mitau • Grodno • Njaswisch • Klezk • Ljachowitschi •
Klissow • Pułtusk • Thorn • Lemberg • Warschau • Posen • Punitz • Tillendorf • Rakowitz • Fraustadt • Kalisch 
Golowtschin • Moljatitschi • Rajowka • Lesnaja • Koniecpol • Weprik • Krasnokutsk • Poltawa
2. Phase: Schweden in der Defensive (1710–1721)
Riga II • Wyborg II • Pernau • Kexholm • Reval • Pälkäne • Storkyro • Hanko 
Helsingborg • Køge-Bucht • Frederikshald I • Dynekilen-Fjord • Göteborg I • Strömstad • Frederikshald II • Marstrand • Ösel • Göteborg II • Södra Stäket • Grönham • Sundsvall
Lübow • Stralsund I • Stade • Rügen • Gadebusch • Altona • Tönning II • Stettin • Fehmarn • Wismar • Stralsund II • Jasmund • Peenemünde • Stresow 
Der Überfall auf Sundsvall (auch Seeschlacht von Selånger genannt) war das letzte Gefecht im Großen Nordischen Krieg. Der Angriff fand am 25. Maijul./ 5. Juni 1721greg. in und um Sundsvall und Selånger statt. Eine schwedische Besatzung in der Stärke von etwa 280 Mann kämpfte gegen eine zehnmal so große Reiterschar der Kosaken und über 6000 russischer Infanteristen. Das Ergebnis war ein Sieg der Russen, und die Stadt Sundsvall und den umliegenden Dörfern wurden geplündert und niedergebrannt.

Bereits im Jahre 1719 hatte die russische Flotte die schwedische Küste verwüstet. Durch die vom damaligen Gouverneur von Västernorrland Hugo Hamilton von Hageby vorgenommenen Schutzmaßnahmen wurden die Provinzen Medelpad, Ångermanland und Gästrikland von größeren Raubzügen verschont geblieben.
Im Jahre 1720 wurde die Stadt Umeå von der russischen Flotte geplündert und niedergebrannt.
Zu diesem Zeitpunkt waren Sundsvall und Medelpad von zwei Kavallerieregimentern geschützt. Durch Nachschubprobleme bei den Regimentern mussten die Einheimischen die Regimenter mit Nahrungsmitteln versorgen. Diese konnten die Nahrungsmittel aber nicht aufbringen und so wurden die Regimenter im Frühjahr 1721 abgezogen und es blieb nur eine kleine Reitereinheit aus Jämtland zurück.
Im Jahre 1721 wurde wieder eine russische Flotte gesichtet, welche entlang der Küste von Norrland auf dem Weg nach Norden waren.
Der Rat der Stadt Gävle beschloss den Major Johan Henrik Fieandt nach Sundsvall zu entsenden um eine Verteidigung der Stadt zu organisieren. Ihm standen 80 Matrosen von der ersten norrländischen Marinekompangie und 80 Reiter des jämtlandischen Reiterregiments, unter dem Kommando von Hauptmann Herman Wibbling, und weiteren 150 bewaffnete Wehrbauern.
Fieandt hatte außerdem gehofft weitere 700–800 Stadtbewohner zur Unterstützung der regulären Truppen zu bewegen, er schrieb nach der Schlacht schrieb er das die Einwohner der Stadt zu keiner Unterstützung zu bewegen waren und nur ihre eigenen Belagen im Sinn hatten.
Die einzige Unterstützung fand der Major durch eine kleine Einheit aus Veteranen. Die 25 Reiter standen unter dem Befehl von Leutnant Johan Lindstedt. Sie hatten ehemals unter dem Kommando von Carl Gustaf Armfeldt an den Feldzügen in Finnland und den baltischen Staaten teilgenommen. Außerdem waren die Veteranen mit dem Todesmarsch der Karoliner zurück nach Norwegen gelangt.
Als die russische Flotte vor Sundsvall kreuzte schlug ein schwedischer Kornett (Fähnrich) dem Leutnant Lindstedt vor den Rückzug anzutreten, denn gegen eine solche Übermacht könne man nichts ausrichten und die Männer würden sinnlos geopfert werden. Aber der Leutnant lehnte ab und begann mit den Verteidigungsmaßnahmen.
Das russische Geschwader bestehend aus 33 Galeeren und etwa 70 weiteren Begleitschiffen (Sloop), beladen mit Männern und Kriegsmaterial, sie griffen die Stadt zuerst mit Artilleriefeuer an.
Russen landeten mit ihren Truppen südlich des Stadtzentrums von Sundsvall. Die schwedischen Verteidiger mussten nach einer Stunde Kampf ihre Stellungen räumen. Sie brannten zwei Handelsschiffe und ein größeres Schiff, welches mit Eisen und Holz beladen war nieder, damit es nicht in Feindeshand fiel.
Die Verteidiger, die keine Unterstützung durch eigene Artillerie außer ein paar kleineren Feldstücken mit denen das Feuer von einigen Bauernhöfen und Booten in der Nähe auf die russischen Invasoren erwidert wurde. Major Fieandt gelang es eine weitere Stunde den Vormarsch der Russen zu stoppen. Als er aber an der Brücke im Stadtteil Åkroken drohte mit seinen Männern eingeschlossen zu werden zog er sich in Richtung Jämtland zurück.
In der Folge kam es zu mehreren kleineren Scharmützeln zwischen dem jämtländischen Reitern und den Kosaken. 22 schwedische Kavalleristen wurden auf der Straße in Richtung Valla niedergemetzelt. Die Schweden mussten sich immer weiter zurückziehen in Selånger etwa acht Kilometer westlich von Sundsvall sammelten sich die schwedischen Soldaten nochmals um geordnet gegen die russische Übermacht zu kämpfen.
Zehn schwedischen Reitern ist es gelungen, sich der Gefangennahme zu entziehen. Sie flohen in ihre Heimat Jämtland. Zehn schwedische Soldaten wurden als Kriegsgefangene nach St. Petersburg gebracht. Auch die Fahne des Jämtländischen Kavallerieregimentes wurde als Kriegsbeute mitgenommen.
Sundsvall wurde geplündert und komplett niedergebrannt und die einzige Kirche des Ortes wurde nicht beschädigt.
Sieben Schweden kamen nach dem Frieden von Nystad wieder in ihre Heimat. Der Kornett Nandelstadt, welcher einer der Häftlinge war, berichtete, dass die Russen etwa 40 Tote hatten.
Major Fieandt überlebte seine schweren Verwundungen und starb später in der Schlacht von Lappeenranta während des Russisch-Schwedischen Krieges im Jahre 1741.

René Magritte Museum

Das René Magritte Museum (frz. Musée René Magritte, niederl. René Magritte Museum) ist ein dem belgischen Maler René Magritte gewidmetes Museum in Jette in der Region Brüssel. Das Museum befindet sich in der Rue Esseghem/Esseghemstraat Nr. 135, in dem Haus, in dem Magritte von 1930 bis 1954 lebte und zahlreiche seiner Werke schuf. Zur Sammlung des Museums gehören neben Gemälden, Gouachen und Zeichnungen des Künstlers, Teile der Originalmöblierung von Magritte sowie Fotografien und andere Dokumente zum Leben des Künstlers. Zusammengetragen hat diese Sammlung der Kunstsammler André Garitte, der das Haus erwarb, renovieren ließ und 1999 als Museum eröffnete.

Der aus der wallonischen Provinz Hennegau stammende René Magritte zog 1915, im Alter von 17 Jahren, nach Brüssel und lebte hier bis zu seinem Tod 1967 in sieben verschiedenen Wohnungen. Unterbrochen hat er diese Brüsseler Jahre nur durch einen Aufenthalt im Pariser Vorort Le Perreux-sur-Marne, wo er die Zeit von 1927 bis 1930 verbrachte. Nach der Rückkehr aus Frankreich mietete Magritte gemeinsam mit seiner Frau Georgette die Erdgeschoßwohnung des Hauses Rue Esseghem/Esseghemstraat Nr. 135. Das Paar lebte hier fast 24 Jahre und die Wohnung wurde zum Zentrum der belgischen Surrealisten. 1954 hatte Magritte als erfolgreicher Maler inzwischen genügend Geld verdient und zog mit seiner Frau in eine eigene Villa in der Rue des Mimosas/Mimosasstraat Nr. 97 in Schaerbeek/Schaarbeek um. In dieser Villa lebte Magritte bis zu seinem Tod 1967 und auch seine Frau Georgette blieb hier bis an ihr Lebensende 1986 wohnen.
Nach dem Tod von Magrittes Frau gab es zahlreiche Ideen und Aufrufe, diese letzte Wohnung samt Inventar und persönlichem Besitz in ein Magritte-Museum umzuwandeln, was jedoch an fehlenden finanziellen Mitteln und der mangelnden Unterstützung von staatlichen Institutionen scheiterte. Die Villa in Schaerbeek/Schaarbeek wurde ebenso wie das Inventar und der persönlichen Besitz der Magrittes öffentlich versteigert. Der aus Antwerpen stammende Kunstsammler André Garitte begann in den Folgejahren mit Hilfe des Auktionskataloges zahlreiche Stücke aus dem Besitz der Magrittes zu erwerben. Er kaufte schließlich das Mietshaus in der Rue Esseghem/Esseghemstraat Nr. 135, das sich noch immer im Besitz von Magrittes ehemaligem Vermieter befand. Von 1993 an ließ er das Haus zu musealen Zwecken umbauen, bis es 1999 als erstes Magritte-Museum in Brüssel für die Öffentlichkeit die Türe öffnete. Erst 2009 folgte mit dem Magritte Museum der Königlichen Museen der Schönen Künste ein zweites – diesmal staatliches – dem Maler gewidmetes Museum in Brüssel.
Magrittes ehemalige Wohnung in der Rue Esseghem/Esseghemstraat Nr. 135 befindet sich im Erdgeschoss eines Reihenhauses mit Backsteinfassade, wie sie im Brüsseler Vorort Jette oder in anderen Vororten der belgischen Hauptstadt häufig zu finden sind. Das Haus besticht nicht durch besondere architektonische Merkmale und ist typisch für diese kleinbürgerliche Wohngegend, in der Magritte nahezu 24 Jahre verbrachte und in der fast die Hälfte seines Werkes entstand. Einige Besonderheiten dieser Wohnung finden sich wiederholt in den Gemälden des Künstlers. Hierzu gehören der Kamin und die Glastüren des Wohnzimmers, das Treppenhaus mit dem markanten Treppenpfosten und Details wie die Türbeschläge und -griffe. Auch die Straßenlaterne vor dem Haus taucht wiederholt in Magrittes Bildern auf.
André Garitte gelang es, etwa 70 Prozent der Möbel der Magrittes aufzuspüren und für das Museum zu erwerben. So sind heute im Museum das Klavier der Magrittes, die originale Schlafzimmereinrichtung und die einfachen Schränke, die Magritte für seine Frau als Hochzeitsgeschenk entworfen hatte, im Museum zu sehen. Die restlichen 30 Prozent der Einrichtung stammen nicht aus dem Besitz der Magrittes, sondern sind zeitgenössische Ergänzungen. Mit Hilfe von Fotografien ist bei der Rekonstruktion der Wohnung ein nahezu authentischer Gesamteindruck gelungen. Neben dem Mobiliar gehören hierzu auch die Farbgestaltung der Räume, wie die blauen Wände des Wohnzimmers oder das dominierende Rot des Schlafraums. Zudem befinden sich vor den Fenstern wieder die von Magrittes Bildern bekannten Schärpenvorhänge.
Ein eigenes Maleratelier hatte Magritte nie besessen. 1932, als Magritte vom Verkauf seiner Gemälde noch nicht seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte, ließ er im Garten des Hauses Rue Esseghem/Esseghemstraat Nr. 135 zwar einen atelierartigen Anbau errichten, nutzte diesen Raum jedoch als Schauraum für sein Studio Dongo, in dem er seine Arbeiten als Werbegraphiker ausstellte. Seine Gemälde entstanden in dieser Zeit in der Küche der Wohnung, wo heute wieder seine Staffelei steht. Nachdem sich der Erfolg mit seinen Gemälden einstellte, nutzte Magritte das Gartenatelier als Abstellraum und Lager für fertige Bilder. Die Küche blieb weiterhin der Ort, an dem Magrittes Bilder entstanden.
Neben der Wohnung Magrittes im Erdgeschoss verfügt das Museum über zwei Ausstellungsetagen. Hier hat der Museumsgründer André Garitte zahlreiche private Fotos von Magritte, persönlichen Erinnerungsstücke und umfangreiches Dokumentationsmaterial zusammengetragen. Gezeigt werden beispielsweise Briefe an Galeristen, surrealistische Broschüren oder Zeitungsartikel. Darüber hinaus stammen aus der Sammlung Garitte 30 Zeichnungen, Gouachen und Gemälde von Magritte. Hierunter befinden sich Arbeiten wie La lampe d‘ Aladin oder Lola de Valence. Das zur Sammlung des Museums gehörende Gemälde L’Olympia wurde am 24. September 2009 von zwei bewaffneten Räubern gestohlen.
Ein Raum des Museum ist der Zusammenarbeit Magrittes mit den anderen belgischen Surrealisten gewidmet. Diese trafen sich in der Rue Esseghem/Esseghemstraat Nr. 135 zu wöchentlichen Sitzungen, um gemeinsame Ausstellungen oder andere Projekte zu besprechen. So finden sich in diesem Raum beispielsweise Arbeiten und Dokumente zu E. L. T. Mesens, Marcel Mariën, Paul Delvaux, Rachel Baes. Von den 19 Räumen des Hauses können insgesamt 17 besichtigt werden.
50.8766666666674.3358333333333Koordinaten: 50° 52′ 36″ N, 4° 20′ 9″ O