Chiyoda

Chiyoda (jap. 千代田区, -ku) ist einer der 23 „Sonderbezirke“ im Osten der japanischen Präfektur Tokio. Der Bezirk liegt im Zentrum Tokios, der Hauptstadt Japans, und ist Standort des Kaiserpalasts, des nationalen Parlaments, des Amtssitzes des Premierministers sowie zahlreicher weiterer Regierungseinrichtungen. Außerdem befinden sich die Hauptsitze zahlreicher Großunternehmen in Chiyoda.
Mit unter 50.000 Einwohnern ist Chiyoda mit Abstand der bevölkerungsärmste Bezirk Tokios und damit – abgesehen von den abgelegenen Pazifikinseln und dem Landkreis Nishitama – die nach Einwohnerzahl kleinste Gemeinde der Präfektur Tokio. Die über 44.000 Unternehmen, die in Chiyoda ihren Sitz haben, bieten fast 900.000 Menschen Arbeit, so dass die Tagesbevölkerung jedoch mehr als 20 Mal so hoch ist wie die Nachtbevölkerung. Der Name Chiyoda, wörtlich „Feld der tausend Generationen“, stammt noch von der Burg Edo, in der bis zur Meiji-Restauration der Shōgun residierte.

Der Bezirk Chiyoda besteht aus dem Kaiserpalast, der ehemaligen Burg Edo, und den umgebenden Gebieten im Radius von etwa einem Kilometer. Bereits zur Edo-Zeit war der Kaiserpalast als Sitz des Shōgun das politische Zentrum Japans. Um die Burg herum lagen die Residenzen der einzelnen Daimyō, die dazu verpflichtet waren, ihre Familien nach Edo zu bringen und selbst dort die Hälfte ihrer Zeit zu verbringen. 1860 wurde der Shōgunatsbeamte Ii Naosuke vor dem Sakurada-Tor der Burg Edo ermordet.
Während der Meiji-Restauration wurden 1871 die Daimyate abgeschafft und das Land von der neuen Zentralregierung konfisziert. In der Burg residierte von nun an der Kaiser, während die Ländereien der Daimyō für Regierungsgebäude genutzt wurden.
1932 fand hier das Attentat auf den Premierminister Inukai Tsuyoshi statt. Auch der Putschversuch vom 26. Februar 1936 hatte sein Zentrum in Chiyoda.
Ein Bezirk wurde Chiyoda am 15. März 1947 durch die Vereinigung der ehemaligen Stadtbezirke Kanda, des nordöstlichen Bereichs um den Bahnhof Akihabara herum, und Kōjimachi, des Kaiserpalastes und ehemaligen Samuraiviertels der Stadt Tokio. Bis 1991, als die Präfekturverwaltung nach Shinjuku umzog, war Chiyoda Verwaltungssitz der Präfektur Tokio.
Am 30. August 1974 verübte die East Asia Anti-Japan Armed Front einen Bombenanschlag auf die Zentrale der Mitsubishi Heavy Industries mit 8 Toten und 376 Verletzten. Der Giftgasanschlag der Ōmu Shinrikyō (Aum-Sekte) auf die Tokioter U-Bahn am 20. März 1995 wurde durchgeführt, als die Züge gerade den Bezirk Chiyoda durchquerten.
Der Bezirk Chiyoda besteht unter anderem aus folgenden Stadtteilen (Für eine vollständige Aufzählung, siehe Liste der Stadtteile des Tokioter Bezirks Chiyoda):
In Chiyoda befinden sich eine bezirksbetriebene, zwei präfekturbetriebene und zahlreiche private Oberschulen. Unter anderem zwei renommierte private Universitäten haben ihren Hauptsitz in Chiyoda, die jesuitische Sophia-Universität und die Hōsei-Universität, eine der elitären Sechs Universitäten von Tokio. Daneben unterhalten die zentralstaatliche Hitotsubashi-Universität und mehrere private Hochschulen Campus im Bezirk, vor allem in Kudan und Kanda im Norden und Nordosten.
Daneben befinden sich mehrere Gedächtnisinstitutionen in Chiyoda, darunter die Nationale Parlamentsbibliothek, das Nationalarchiv, die Bibliothek Chiyoda (千代田図書館, Chiyoda Toshokan), die Yonbanchō-Bibliothek (四番町図書館, Yonbanchō Toshokan), die Kanda-Machikado-Bibliothek (神田まちかど図書館, ~ Toshokan), die Shōhei-Machikado-Bibliothek (昌平まちかど図書館, ~ Toshokan), das Wissenschaftsmuseum Tokio (科学技術館, Kagaku Gijutsukan), das Hauptgebäude und die Kunsthandwerksgalerie des Nationalmuseums für moderne Kunst, das Idemitsu-Kunstmuseum, das Mitsuo-Aida-Museum oder die frühere Sammlung der Satake-Fürstenfamilie Senshū Bunko.
Bürgermeister von Chiyoda ist in vierter Amtszeit Masami Ishikawa, ehemals Präfekturbeamter und Vorstandsmitglied der Shuto Kōsokudōro. Er wurde zuletzt im Februar 2013 relativ knapp gegen den ehemaligen Vizebürgermeister Kyōji Ōyama und drei weitere Kandidaten im Amt bestätigt. Das Kommunalparlament hat regulär 25 Mitglieder und wird bei einheitlichen Regionalwahlen (zuletzt: 2015) gewählt.
Für das Präfekturparlament hat der Bezirk das zweithöchste Stimmgewicht vor dem Inselwahlkreis. Der Einmandatswahlkreis wurde für mehr als vier Jahrzehnte von Liberaldemokraten vertreten, bevor bei der Wahl 2009 der damals 26 Jahre alte Demokrat Zenkō Kurishita die Siegesserie beendete. Bei der Wahl 2013 gewann der Liberaldemokrat Shigeru Uchida Chiyoda für die LDP zurück.
Für das nationale Abgeordnetenhaus bildet Chiyoda zusammen mit Shinjuku und Minato den Wahlkreis Tokio 1, der seit 2012 von der Liberaldemokratin Miki Yamada vertreten wird.
Bezirke (ku): Adachi | Arakawa | Bunkyō | Chiyoda | Chūō | Edogawa | Itabashi | Katsushika | Kita | Kōtō | Meguro | Minato | Nakano | Nerima | Ōta | Setagaya | Shibuya | Shinagawa | Shinjuku (Verwaltungssitz) | Suginami | Sumida | Taitō | Toshima
Kreisfreie Städte (shi): Akiruno | Akishima | Chōfu | Fuchū | Fussa | Hachiōji | Hamura | Higashikurume | Higashimurayama | Higashiyamato | Hino | Inagi | Kiyose | Kodaira | Koganei | Kokubunji | Komae | Kunitachi | Machida | Mitaka | Musashimurayama | Musashino | Nishitōkyō | Ōme | Tachikawa | Tama
Nishitama-gun: Hinohara | Hinode | Mizuho | Okutama
Unterpräfektur Hachijō: Aogashima | Hachijō | Unterpräfektur Miyake: Mikurajima | Miyake | Unterpräfektur Ogasawara: Ogasawara | Unterpräfektur Ōshima: Kozushima | Niijima | Ōshima | Toshima