Luisenstadt-Kirche

Die Luisenstadt-Kirche, auch Luisenstädtische Kirche oder Sebastian-Kirche war bis 1964 eine evangelische Kirche im Berliner Ortsteil Mitte.

Der Grundstein für die Kirche wurde am 27. August 1694 auf dem neuen Friedhof der St.-Petri-Gemeinde in Cölln gelegt. Grund hierfür war das stetige Wachstum der Doppelstadt Berlin-Cölln. Der Oberkirchenvorsteher Sebastian Nethe setzte sich für den Bau ein und so erhielt sie schließlich bei der Einweihung am 21. Juli 1695 durch Propst Lütkens den Namen Sebastiankirche. Die Kirche wurde ohne Vorwissen des Kurfürsten Friedrich III. mit lutherischen Zeremonien eingeweiht, was diesen zu der Drohung verleitete, dem Magistrat das Kirchenpatronat zu verweigern. Die Pläne für die barocke Fachwerkkirche mit ihrem kreuzförmigen Grundriss und einem hölzernen Turm erstelle Martin Grünberg.

Im Jahr 1707 erhielt die Kirche eine Schnitger-Orgel. Doch bereits rund 60 Jahre nach der Errichtung war das Bauwerk in einem maroden Zustand und konnte in den Jahren 1571 bis 1753 nur noch durch einen Neubau der Baumeister Christian August Naumann (um 1700–1757) und Johann Gottfried Büring ersetzt werden. Sie errichteten einen hochwassergeschützten Neubau auf einem Gewölbe mit 27 großen und kleinen Leichenkammern. Hier wurden in den nächsten Jahrzehnten unter anderem der preußische Jurist und Justizreformer Carl Gottlieb Svarez, der deutsche Komponist aus der Familie Bach, Wilhelm Friedemann Bach sowie der deutsche Schriftsteller Christoph Friedrich Nicolai beerdigt. Im Jahr 1785 änderte sich für zehn Jahre durch eine Ministerialverfügung der Name in Köllnische Vorstadtkirche. Zur 100-Jahr-Feier verfügte Friedrich Wilhelm II. eine Rückbenennung in Sebastiankirche. Er war es auch, der auf dem neuen Friedhof sowohl die Bestattung von Verstorbenen der evangelisch-lutherischen Kirchen wie auch von Reformierten erlaubte.

1802 baten die Bewohner des Köpenicker Viertels den König Friedrich Wilhelm III., ihr Gebiet zu Ehren seiner Gemahlin Luise in Luisenstadt umzubenennen. Dies führte dazu, dass auch das Gebäude nunmehr Luisenstädtische Kirche hieß. Wenige Jahre später wurde der Friedhof geschlossen. Er diente den Anwohnern seitdem als Erholungspark. Das Gebäude musste in den Jahren 1841 und 1842 durch den Bauinspektor Berger erneut instand gesetzt werden. Die Arbeiten erforderten erheblich finanzielle Mittel, so dass erst 1845 unter Mitarbeit von Friedrich August Stüler ein gotisierender Turm mit Uhr vollendet werden konnte. Weitere Umbauten fanden von 1936 bis 1940 statt, als die Heizung, Beleuchtung und Toiletten erneuert wurden.

Bei einem Bombenangriff am 3. Februar 1945 im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche zerstört. Über 50 Menschen, die im Kellergewölbe der Kirche Schutz gesucht hatten, verloren dabei ihr Leben. Nach der Teilung Berlins lag die Kirche in Ost-Berlin dicht an der Sektorengrenze. Nach dem Mauerbau sollte um die Ruine ein Drahtzaun errichtet und der Turm bis zur Höhe des Gesims abgetragen werden. Der Gemeinde fehlten die Mittel für die Umbauten; Gelder aus dem Westen wurden vom Ost-Berliner Magistrat abgelehnt. So wurde die Ruine am 29. Mai 1964 gesprengt, die Gräber eingeebnet.

Heute erinnert eine Hecke aus Liguster an den Grundriss der Kirche. Weiterhin setzte sich der Bürgerverein Luisenstadt e. V. dafür ein, dass 2002 eine Informationsstele des Bildhauers Nikolaus Bode auf dem parkähnlichen Gelände aufgestellt wurde. Sie zeigt auf einem Relief die Kirche und erinnert an die Grabstätten von Svarez, Bach und Nicolai. Die in der Nähe gelegene Sebastianstraße trägt in Anlehnung an die Kirche diese Bezeichnung.

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